Sven's Wortschmiede

Sunday, 19. April 2009

Tolkien heute noch Grundstock des Fantasy-(RPG)-Hobbies?

Filed under: Japan, Rollenspiel — Tags: , , , , , , , , , — Sven @ 10:17

In einem kurzen Blogbeitrag widmete sich Joni dem Thema Tolkien und seiner Bedeutung für das Hobby. Ich denke, dass das Thema nicht uninteressant ist.

Joni stellt richtig fest, dass der Haupteinfluss der Alten Schule vor allem Howard, Moorcock und andere Pulpautoren der 30er waren, was sicherlich auch deutlich an den Spielen, die sie schrieben erkennen kann. (D&D, T&T etc.)

Vermutlich, so meine Meinung, wurde die nächste Generation der Rollenspiele, also die der 80er, vor allem von Tolkien geprägt, so dass Spiele wie Rolemaster oder DSA entstanden, die sich um eine organisch gewachsene Welt und Realismus bemühten. Peter Jackson, Regisseur von HdR, gehört mit Baujahr ‘61 absolut auch in diese Zeit.

Nun liegen die 80er natürlich schon eine Weile hinter uns. Was sind also die Einflussquellen der Neuen Fantasy, die sich nach der No-Future-Zeit der 80er-Generation mit ihren Cyberpunk-, Military- und Vampir-Rollenspielen erholt hat?

Neuere Rollenspiele, wie Arcane Codex, Elyrion oder Exalted, oder Hintergründe, wie Dragon Mech und Eberron, zeigen, dass sich Fantasy stark gewandelt hat. Heute bedeutet Fantasy scheinbar immer weniger eine mehr oder weniger idyllische Feld-und-Wiesen-Fantasy à la Tolkien, sondern viel mehr werden starke technologische Einflüsse in die Fantasy übernommen. Dies springt mir, als versiertem Japankenner, sofort als eine Adaption der typischen japanischen Fantasy seit den 80ern ins Auge.

Nicht unverständlich: Die Generation, die jetzt nach und nach als Entwickler antritt, die Generation der 90er, wurde deutlich von Animes (Tele 5, RTL 2), japanischen Konsolenspielen (FF7, FF8) und den ersten Mangas auf dem deutschen Markt beeinflusst. Natürlich spielten aber auch westliche Comics und vor allem Computerspiele im Allgemeinen eine wichtige Rolle.

Daher würde dieser Bezug sicherlich mehr Sinn macht, als der Bezug auf Tolkien. Wobei es natürlich schwierig ist sich auf ein diffuses Kontinium von Großteils unbekannten Entwickeln zu beziehen, als auf einen altgepflegten Briten.

Auch macht dieser gänzlich unterschiedliche Hintergrund im Vergleich zur Alten Schule, warum es immer wieder zur Reibung zwischen den Generationen kommen muss.

7 Comments »

  1. Hey Sven,

    interessante Betrachtungsweise, die du da ins Spiel bringst. Ich denke, du hast sicher recht, dass der Einfluss von Animes, Videospielen & Co auf moderne Rollenspielsettings nicht unterschätzt werden darf. Und er ist, richtig eingesetzt, sicher eine Bereicherung.

    Ich wollte in meinem Blogeintrag auch gar nicht darauf hinaus, dass es keine moderneren Einflüsse gibt - die gibt es sicher, wie du ja auch soeben dargelegt hast. Ich denke nur, dass in der öffentlichen Wahrnehmung sowohl alte (Elric, Conan…) Einflüsse als auch neue Einflüsse leider zu oft unter den Tisch fallen und alles unter “Fantasy ist Tolkien” subsumiert wird. Mir ist es erst kürzlich wieder in einem Lokalzeitungsartikel über Larp aufgefallen. Wobei man fairerweise sagen muss, dass mMn die Mainstreammedien über Rollenspiel wesentlich häufiger und aufgeschlossener berichten, als es vor einigen Jahren noch der Fall war, was ja auch schonmal ein Wert an sich ist. :-)

    Grüßle Joni

    Comment by Joni — Sunday, 19. April 2009 @ 10:29

  2. Joni,

    dieser Post war auch keinesfalls als Kritik an deinem Post gedacht, sondern vielmehr als Fortführung auf Grundlage des soliden Fundaments, das du errichtet hast.

    Comment by Sven — Sunday, 19. April 2009 @ 11:37

  3. Habe ich auch nicht so verstanden - wollte es nur nochmal heraus stellen.

    Und meine wirren Samstagmorgendlichen Gedanken als “solides Fundament” zu bezeichnen ist auch neu ;-).

    Grüßle

    Comment by Joni — Sunday, 19. April 2009 @ 11:46

  4. Ich denke, Sven, da hast Du Recht. Den Anime-Einfluss ist eigentlich schon eine Weile beobachtbar; zumindest für mich war das vor Jahren auf der Buchmesse Leipzig - wo Comic und RPG recht nah beieinander präsentieren - interessant zu sehen, wie beliebt das Animezeug ist.

    Allerdings weiß ich nicht, a) ob Tolkien wirklich für immer und alles als “Urvater” zu sehen ist (nicht überall, wo nen Hobbit auftaucht, muss auch Wald-und-Wiesen-RPG drin sein ;) ) und b) selbst wenn es so ist, wird sich der Einfluss “irgendwie” immer auch in neue Generationen mitschleppen.

    “Auch macht dieser gänzlich unterschiedliche Hintergrund im Vergleich zur Alten Schule, warum es immer wieder zur Reibung zwischen den Generationen kommen muss.”

    Das kann aber auch an einem “typischen” Abgrenzungsverhalten liegen, Stichwort: Früher war alles besser. Ehrlich gesagt bin ich mir auch deshalb nicht so ganz sicher, ob der von Dir ausgeführte andere kulturelle Hintergrund eine so große Rolle spielt, weil ja immer noch maßgeblich D&D sowie DSA gespielt wird. Zumindest ist das mein Eindruck.

    Ich vermute eher, dass sich das vor allem auf ganz andere Medien verlagert. Du hast ja nicht ohne Grund auf die Spielkonsolen hingewiesen … m.E. steht da eher der|die alternde Rollenspieler|in staunend vor den Konsole-Begeisterten. ;)

    Arbo

    Comment by Arbo — Sunday, 19. April 2009 @ 11:48

  5. Nun ja, man muss natürlich im Auge behalten, dass sich D&D und DSA in den letzten 20/30 Jahren enorm gewandelt haben.

    Comment by Sven — Sunday, 19. April 2009 @ 13:52

  6. Ja, schon klar … aber ich erkenne bei denen ehrlich gesagt noch nicht so ganz, wie da z.B. Konsole-Mentalität eingeflossen sein soll. Ich habe eher den Eindruck, dass die sich eher mit sich (im eigenen “Kulturkreis”) konfrontiert sahen und sehen, insb. auch mit ihrer (!) Vergangenheit (Stichwort: back to the roots).

    Comment by Arbo — Sunday, 19. April 2009 @ 14:42

  7. Ich denke Tolkin hat Archetypen geschaffen was die verschiedenen Rassen angeht.

    Was die Geschichten angeht waren es am Anfang doch aufgesetzte Geschichten die in einen Dungeon führten.
    Später kamen dann noch mit den ersten Länder- und Stadtbeschreibungen noch Reise- und Detektivabenteuer hinzu.

    DSA hat im Laufe der Zeit eher den Hintergrund verändert. Das ursprüngliche wir spielen edle Helden Spiel wurde immer denkler und mit Intrigen behaftet.
    Ich denke da hat die World of Darkness deutliche Spuren bei den Ansprüchen und den Vorstellungen der Spieler hinterlassen.

    Animes, Mangas und andere Quellen schaffen inzwischen neue Vorstellungen davon wie den ein interessanter Charakter aussehen sollte ich glaube aber nicht das sich die gespielten Geschichten grundlegend ändern.

    Tolkin ist inzwischen anerkannte Literatur. Darauf kann man eher Bezug nehmen als auf eine Menge unterschiedlicher und sehr schwer vermittelbarer Spiele. Ich denke deshalb kommt immer wieder Tolkin wenn von Fantasy und vor allen von Fantasyspielen die Rede ist.

    Gruß Jochen

    Comment by Arkam — Monday, 20. April 2009 @ 21:16

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