Rätsel. Manche mögen sie, viele hassen sie, aber warum?
Anstoss für diesen Post ist ein Beitrag von Moritz Von der Seifenkiste herab.
Jeder kennt sie sicherlich, Rätsel. Dabei handelt es sich um kleine Unterbrechungen des Spielflusses durch ein Metaspiel, welches nicht durch die regulären Spielmechanismen, sondern durch andere Mechanismen gelöst werden. Früher, sprich vor 15 Jahren, gehörten diese für uns (und für viele) irgendwie zum Rollenspiel dazu, aber ich kam aus verschiedenen Gründen davon ab.
Ich habe im übrigen keine Ahnung, inwiefern Rätsel heute noch ‘einfach dazu gehören’ und würde mich diesbzüglich sehr über Kommentare freuen.
Mechanismen
Bei Rätseln im Rollenspielen gibt es natürlich viele verschiedene Varianten, bekannt sind aber vor allem drei: Worträtsel, Puzzle-Rätsel und Wissensrätsel.
Worträtsel
Der Klassiker, hier muss man aus einer Reihe von kryptischen Hinweisen ein Losungswort herausfinden, welches man meist braucht, damit ein Rätselmund eine magisch versiegelte Tür frei gibt.
Puzzle-Rätsel
Hierbei wird ein Mechanismus beschrieben, der meist eine Tür öffnet. Meist müssen Gegenstände in die richtigen “Löcher” gesteckt werden oder Schalter in der richtigen Reihenfolge gedrückt werden.
Wissensrätsel
Hierbei muss man meist einem weisen Mann eine Rätselfrage beantworten, z.B. wie man zwei Flaschen ohne Hilfsmittel mit jeweils genau einem Liter Wasser füllt.
Warum man Rätsel im Rollenspiel nicht mögen muss
Meta-Ebene
Rätsel finden in der Regel auf der Meta-Ebene statt. Es spielt also keine Rolle, ob ein Charakter Intelligenz 255 hat, nein, der Spieler selbst muss die Lösung herausfinden. Dies ist nun natürlich eine etwas problematische Sache, denn dadurch wird das Spiel im Grunde durch ein anderes Spiel unterbrochen. Im Computerspieledesign wird ein solches Spiel-im-Spiel Minispiel genannt und spaltet die Spielerschaft ähnlich wie Rätsel.
Das Problem dabei ist, dass die Erwartungen der Spieler an das Spiel gebrochen werden. Man hat sich auf ein Spiel geeinigt, bei dem Würfelwürfe über Sieg und Niederlage entscheiden, doch plötzlich muss man gut Seilspringen können. An und für sich ist diese Unterbrechung nicht einmal wirklich schlimm, ein Knackpunkt kommt aber oft bei Rätseln ins Spiel.
Rätsel als Flaschenhälse
Rätsel werden in Rollenspielen oft als obligatorisch in das Design eingefügt. Um in dem Abenteuer weiterzukommen, muss man diese magische Tür öffnen. Und natürlich lässt sich diese nur durch ein Rätsel öffnen. Die Tür und die umliegenden Wände sind durch den Gott der Rätsel gegen jede alternativen Lösungsansätze, wie Aushebeln, Graben, Sprengen, Teleportation etc. gesichert. Damit wird ein Rätsel zu einer Spielbremse und zu einem Ärgernis für jene, die keine Rätsel mögen.
Nicht jeder kann Rätsel
Rätsel sind vor allem deswegen ein Ärgernis für viele, weil sie diese nicht beherrschen. Selbst Spieler mit hoher Problemlösungskompetenz können an Rätseln verzweifeln, weil diese eine ganz bestimmte, abstrakte Art des Denken voraussetzen. Das hat nichts mit Dummheit zu tun, sondern vielmehr damit, dass dieses Denken eine antrainierte Fertigkeit ist, welche bei vielen nicht ausgeprägt ist, so wie viele halt eine schlecht trainierte Hand-Augen-Koordination haben.
Wie man Rätsel sinnvoll ins Spiel einbringen kann
Aber natürlich ist nicht alles verloren. Auch Rätsel können ihren Platz im Spiel haben, wenn man sie gut designt. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Designansätze:
Rätsel in den Plot einbinden
Wenn das Lösen eines Rätsels notwendig ist, um im Plot weiterzukommen, z.B. um einen neuen Spielbereich freizuschalten, so ist es nötig, dass die Spieler die Möglichkeit haben, ausreichende Hinweise und sogar die Lösung durch andere Aktionen in der Spielwelt erhalten können.
Wenn die Spieler sich mit dem Rätsel schwer tun, muss es mehr Informationen geben.
Wenn die Spieler gar das Rätsel nicht lösen wollen, muss es einen Quest geben, dessen Belohnung die Lösung ist.
Rätsel als vernünftiges Minispiel
Der andere Ansatz um Rätsel einzubringen, ist es diese nicht storyrelevant zu machen. Genau man muss das Rätsel nicht lösen, um das Abenteuer erfolgreich zu beenden zu können. Statt dessen versteckt sich hinter dem Rätsel ein Bonus, den jede abgreifen können, die wollen.
Beide Ansätze sollten hinreichend aus Computerspielen bekannt sein.